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Kneringerhof

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Weihnachten im Kneringerhof

Auf einem verschneiten Waldweg

Ein Waldweg, tief verschneit und von den Kronen der Bäume fast überwachsen. Eine alte Frau geht dort.
Langsam, ja fast andächtig. Sie wirkt ein wenig verloren und geht doch fast auf im Zauber der schneebedeckten Dämmerstunde.
Ein Postkartenbild könnte man meinen, mancher sieht auch eine alltägliche Erscheinung darin.
Und doch ...
Früher war sie diesen Weg oft gegangen. Als junges Mädchen. Da hat dieser Weg sie heimgeführt, wenn sie vom Tanz kam. Da war in ihren
Augen noch das Lachen und die Verliebtheit.
In ihren Ohren klang noch die Musik und die schlanken Beine ließen die müden Wegsteine noch etwas vom Zauber des letzten Walzers fühlen.
Da blieben die Gedanken oft hinter dem Mädchen zurück und sie mußte sich - kam erst der elterliche Bauernhof in Sicht - zur Ordnung rufen.
Ausgelassenheit und Überschwang, das war damals noch ein wenig sündhaft. Beim Hoftor steckte sie ihr glückliches Lächeln in die Tasche der blütenweißen Schürze,
probte kichernd den " züchtigen Blick " und war wieder ganz die brave Tochter.

Ein paar Jahre später durfte sie diesen Weg schon mit einem Burschen vom Dorf gehen.
Vom Tanzboden zum Elternhaus war es nicht weit, aber der Waldweg, der hatte es in sich. Da waren dichte Büsche und enge Baumgruppen und einmal hatte der
Franz-Josef  gesagt: " Wenn unsere Busserls blühen würden, dann würde der Brombeestrauch mitten im Winter Rosen tragen."

Den Satz fand sie so schön, daß sie ihn in ihr Tagebuch schrieb.
Wenn der Franz-Josef sie im Winter heimbrachte, dann ging sie oft am nächsten Tag hinaus auf den Weg und suchte seine Fußspuren im Schnee.
War er geradewegs heimgegangen oder etwa " vom rechten Weg " abgekommen?
Nein, das war nie der fall, auf den Franz-Josef konnte man sich verlassen. Das war der Grund, warum sie ihn ein paar Monate später geheiratet hatte.
Sie und er Franz-Josef. Das war ein Paar. Das ganze Dorf war auf den Beinen- nein, besser noch, auf den Stiefeln, denn sie heirateten im Dezember im Winter.
Es gab viel Schnee damals und die Bäume entlang des Waldweges, wo der Franz-Josef seine Braut zur Kirche führte, hatten ihr schönstes Weiß angezogen.
Oft auf dem Stück weg drehte sie sich um, schaute ihre Spuren im Schnee an.
" Schau sie dir gut an, " hatte der Franz-Josef gesagt, " die Spuren zu unserem Glück. Glücklicher als heute werden wir sie auf diesem Waldweg nie mehr hinterlassen."

Ers sollte nicht recht behalten.
Ein Jahr später war ihre Fährte im Schnee noch glücklicher, noch schwungvoller. Da war zwischen den großen Stiefelabdrücken des Franz-Josef und den zierlichen der Marie noch eine Spur,
eine gerade, klare Lienie. Es war die Spur des kleinen Kinderwagens, in dem sie ihr ersten Kind dem Bub Xaver mit sich herzog.

wieder ein Jahr später sahen die Spuren im Schnee wieder anders aus. Da waren die großen Stiefelabdrücke vom Franz-Josef und daneben die ganz kleinen vom ersten Kind vom Xaver.
Maries Schuhabdrücke waren ein Stück dahinter und gruben sich tief in den Schnee. Sie trug das zweite Kind im Bauch.
Oft, wenn sie das Elternhaus besuchte, suchte sie nach Schuhabdrücken im Schnee.
Führten derbe Nagelschuhabdrücke zum Haus, dann wußte sie daß der Tata ( Vater) schon daheim war. Zierlich kleine Spuren, die sich kaum in den Schnee gruben, gehörten der
geliebetn Mama und Spuren, die seitlich abzurutschen schienen, gehörten dem O-beinigen Ferdel, dem Vetter der Bruder von der Mama.
Einmal, als die Marie den Weg zu den Eltern ging, fand sie fremde Spuren im Schnee und daneben die Abdrücke eines Stockes.
Marie wußte sofort, die gehören dem Doktor Chrysanth.
Da lief sie den Weg, so rasch sie konnte. Vergaß die Hochzeit und die zwei Kinder, den Farnz-Josef und das große Glück und erinnert sich wieder der Angst.
Der Tata lag in der Bauernstube. Zugedeckt bis zum Hals, und seine Augen waren zu.
Die Mama weinte bitterlich daneben und der Doktor Chrysanth stand am Fenster und drückte die Stirn an die Fensterscheibe.
Ohne sich umzudrehen, sagte er: " Wirst den Waldweg jetzt öfter gehen, Marie, die Mama ist jetzt allein."
In den nächsten Monaten ging die Marie oft ihren Weg.
Zwei kleine Kinder an der Hand den Bub Xaver und das Mädchen Agnes und das dritte schlief sich dem Leben entgegen.
Vom Hof her führten keine Spuren mehr. Der Vetter Ferdl war im Altersheim, der Tata ist gestorben und die Mama so still geworden.
Als die Marie wieder einmal- jetzt mit zwei Kleinen an der Kittelfalte und dem Kind im Wagen - dem Haus zustrebte, sah sie wieder Spuren im Schnee.
Feste Stiefel und daneben den Abdruck eines Stockes.
Diesmal lag die Mama in der großen Stube. Und wieder stand der Arzt am Fenster und drückte seine Stirn gegen die Glasscheibe.
Und wieder sagte er, ohne sich umzudrehen: " Wirst den Weg nimmer gehen müssen, Marie die Mama ist  zum Herrgott heimgegangen."
Die Marie ging den Weg dennoch sehr oft. Immer wieder. Sie ging nie mehr bis ganz an das vertraute Haus, weil sie das Haus verkaut hatte und jetzt
fremde Menschen dort lebten. Aber sie schlich sich hin und schaute zwischen den Büschendurch und träumte und träumte.

Als der Farnz-Josef in den Krieg mußte, war das viete Kind unterwegs. Da stand sie also mit ihrem prallen Leib, drei Kinder an dem Rockzipfel und Tränen in den Augen.
Der Farnz-Josef hatte auch Tränen in den Augen, als er sich noch einmal aus dem Zugfenster beugte und hinausbrüllte: " Wenn du an den Brombeeren vorbeikommst-
laß die Rosen grüßen! "  Sie allein wußte, was das heißen sollte.
Und an diesem Winterweihnachtstag ging sie wieder den Weg und sie Busselt ihre Kinder und streichelte den gewölbten Leib und sie drückte ihre Wangen an die Eisstarren
Brombeeren und hoffte, daß sie den Duft einer Rose treffen würde.

Anfangs kamen noch viele Briefe vom Franz-Josef, später nicht mehr. Heinkehrende Sodaten erzählten noch, daß sie da und dort ab und zu ihn gesehen hätten.
Und eines Tages kam ein Brief, ein amtlicher Brief.
Sie steckte ihn in die Tasche und zog ihre vier Kinder an.
Dort auf dem Waldweg, neben den Brombeeren, wollte sie ihn lesen.
Als sie ihn gelesen hatte, brach sie ein Stück, ein kleinen Zweig vom Brombeerstrauch und legte ihn in ihr Gebetbuch.
Neben den Spuren von Mama und Tata waren nun auch die vom Franz-Josef für immer verloschen.

Aber die Zeit blieb nicht stehen. Die Marie lernte, ihren Schmerz am Tag zu beherrschen. Die Kinder brauchten sie ja.
Der Älteste Bub der Xaver wurde ein tüchtiger Bauer. Er fand eine gute fleißige Frau und ging weg aus dem Heimatdorf.
Er suchte sich einen anderen Weg, der ihm zur Heimat werden sollte und auf dem er seine Kinder fühern konnte.
Das zweite Kind ein Mädchen die Agnes, trat in den christlichen Orden ein. Da begriff die Marie, daß eine einfache Klostermauer schwerer zu überbrücken war als eine Landesgrenze.
Das dritte Kind, der schwächliche Peterle, litt sich durch das Leben und landete in einer Krankenanstalt, die er nie mehr verlassen konnte.
Seine Lebenspuren schmolzen an einem milden Frühlingstag.
Und das vierte Kind, die Armella, lernte eines Tages einen Vincer der Gast im Dorfe war kennen und ging in die große Stadt Meran nach Südtirol.

Das kleine Haus war leer und so unendlich still geworden.
Die Marie war alt und das einstmals so glückliche Strahlen in ihren Augen erloschen. Im Winter im Dezember zu Weihnachtszeit wenn der alte Waldweg tief verschneit ist,
da sieht man sie gehen. Eine alte Frau , schmal und gebeugt, mit tiefen Furchen im Gesicht und dicken blauen Adern auf dem Handrücken.
da geht sie ihn bedächtig, glaubt die " Hochzeitsspuren" zu sehen, die kleinen Schuhabdrücke der Kinder und die schnurgerade Bahn des Kinderwagens.
Manches Mal bückt sie sich und schabt mit bloßen Händen den lockeren Schnee zu Seite. Sind da nicht Abdrücke von derben Nagelschuhen?
Von den zierlichen Stiefelchen der Mama vielleicht ? Und angstvoller Erinnerung hingegeben, starrt sie zum Elternhaus, wenn sich im tiefen Schnee der
Abdruck eines Stockes abzeichnet.
Aber dann wischt sie die Gedanken fort, lächelt müde und geht zum Brombeerenstrauch.
 

Und jedes Jahr zu Weihnachten leistet sie sich einen ganz besonderen Luxus. Da geht sie in das Blumengeschäft im Dorf und kaufte eine wunderschöne dunkelrotr
Rose.
" Die kostet jetzt im Winter zur Weihnachtszeit aber viel Geld! " hatte der Verkäufer anfangs immer gesagt und die armeseelige Gestalt mitleidig betrachtet.
Aber, sie hatte das Geld gegeben und die Rose entegengenommen.
So ist es alle Jahre. Und jedes Jahr blüht zu Weihnachten im vereisten Brombeerstrauch eine duftende Rose.



Diese Dunkelheit, diese Mystik, diese Stille, diese Hoffnung,
          diese Wärme, diese Nähe, dieses Licht, dieses Geheimnis,
                 dieses Wunder, dieser Frieden, dieser Glaube,  diese Demut,
                             diese Zuflucht, dieses Vertrauen, diese Liebe, diese Erfüllung, diese Sehnsucht....
                                        für all das schenken uns ein waches Herz, offene Augen und muttige Schritte.
                                               Lass es Mensch werden in dir und mir,
                                                           Mensch werden für dich und mich, lass es WEIHNACHTEN sein.



                                                            Herzlichen Dank für diese Zeit, für ein Stück Gemeinsamkeit, 
                              für ein stück Lebensweg und herzlichen Dank für wunderbare Augenblicke der Freundschaft und des Vertrauens.

 

Hierzu wünschen wir entspannte und frohe Stunden mit der Familie und Glück und GESUNDHEIT für die kommende Zeit,
innezuhalten und das vergangene Jahr mit all seinen Höhen und Tiefen Revue passieren zu lassen.
Zeit um all das Alte loszulassen und dem neuen Jahr 2022 mit Hoffnung und Freude entgenzutreten.


 

Mit diesen Gedanken begleiten Sie unsere Wünsche fürs neue Jahr.

Eure Monika Sombach
mit Mama die Nala Emma aus dem Kneringerhof