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Kneringerhof

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Weihnachten im Kneringerhof

Der Heustadel ( Schuppen ) war schon seit Tagen zugesperrt, aber durch die Ritzen der alten Holztür konnten die Kinder unschwer erkennen, daß an die mächtigen Balken gelehnt der Christbaum stand.
Noch war Eis auf seinem Holzstamm, und von den Zweigen tropfte der Schnee. Und groß war er. Sicher würde er wieder bis an die Decke der Stube reichen, und der Tata ( Vater ) würde das Spitzel abschneiden müssen, um den glasgoldenen Spitz aufsetzen zu können.
Er sagte immer, er würde den "Finger " abschneiden, mit dem der Baum gegen den Himmel zeigt, um an den Allmächtigen zu mahnen. Der Albert war elf, ein großer Bub schon, die Anna war erst sieben. 
Aber Weihnachten, das war ihnen, wie den anderen Kindern im Dorf, einfach das Höchste. Sie freuten sich an den köstlichen Heimlichkeiten, die sie längst durchschaut hatten, und sie taten, als würden sie gar nicht merken, wie die Großen dem Christkind helfen.
So stoben sie lachend davon, wenn die Urnala ( Uroma ) sie aus der Kammer scheuchte, wenn sie sie beim Nüssefärben überraschten. Freuten sich, wenn die Mutter goldene Bänder durch rote Äpfel zog und die Nala 
( Großmutter) Lebkuchenteig knetete.
Sie wußten auch, daß auf dem Heuschober ( Heustock ) Pakete lagen, schöne Pakete, von goldglänzendem Papier umhüllt, und sie hielten sich die kleinen Bäuche vor Lachen, wenn der Tata ( Vater ) wieder einmal bemüht war, ein fachgerechtes Paket zu binden, und entweder der Klebstoff aufging oder das Goldband im entscheidenden Augenblick abriß.
An so einem Tag glücklicher Heimlichkeiten sagte der Albert: " Du,  Anna, was schenken wir denn eigentlich den am Tata und der Mama ? " ...
" Wir doch nichts, " entrüstet sich Anna,  " wo doch das Christkind alles bringt. "
" Schon, aber dem Tata und der Mama bringt es halt immer nur nützliche Sachen.
Da könnten wir doch auch einmal dem Christkind helfen, wo´s Mama und der Tata auch tun."
Langmächtig kniff Anna die Augen zusammen und dachte nach.
" Gut, " sagte Anna entschlossen, " dann schenk´ich der Mutter ein Seidendirndl
mit roten Rosarln drauf und dem Tata ( Vater ) einen Gürtel mit einer schönen silbernen Schnalle."
" Und dann bist munter worden ! "
Der Albert schüttelte über soviel Unverstand den Kopf.
" Bei dir sieht man schon, daß du noch ein rechtes Tschopparla bist.
Wo willst denn das viele Geld hernehmen, das diese Sachen kosten ? "
Das wußte Anna nun freilich nicht.
" Und wie wär´s mit wollenen Socken ? "
Aber auch da hatte der Albert einen Einwand.
" Kannst stricken ? "
" Nur Waschlappen, " mußte Anna zugeben und senkte traurig den Kopf.
" Na, also ! Die kann man ja schließlich nicht anziehen.
Und Waschlappen haben wir grade genug, dafür sorgt schon die Nala ( Oma )."
Plötzlich huschte ein Lächeln über Albert´s Gesicht:
" Ich weiß schon was ich dem Tata und der Mama schenk´. 
Dem Tata ( Vater ) schnitz´   ich ein Pfeiferl und der Mama einen Kochlöffel.   
Jetzt mußt halt selber dazuschauen, daß dir auch eine gute Idee kommt."
Damit ließ er Anna stehen und rannte bis um nach geeigneten Holzstücken zu suchen.
Anna war sehr traurig.
" Und ich steh´wieder da, " sagte sie leise.
Aber dann entschloß sie sich zu einem Spiel, das sie so oft und so gerne spielte:
" Sachensuchen ". 
Da geht man herum, schaut auf den Boden und muß nur einsammeln, was man so an schönen Dingen findet. Einen Knopf, ein stück Bindfaden, ein zerknülltes Goldpapier oder eine leere Zündholzschachtel.
" Manchmal, " sagte Anna leise zu sich selbst, " findet  man bei diesem Spiel ja auch eine gute Idee. "
Anna ging " suchen. " Zuerst fand sie ein Tannenzweigerl, dann einen vereisten Tannenzapfen, ein Stück von einer abgerissenen Kette und einen Nagel. Die Schätze in der Schürze verborgen, kletterte sie auf den Heuboden. Dort fand sie eine von Mamas Haarnadeln, ein Stück harten Gips und einen löcherigen Eimer. Und schließlich fand sie - ein kleines maunzendes Wunder. Da hatte doch die Murli, die geliebte Katze, in einem Winkel des Heuboden ein Nestchen bereitet und drei kleine Katzen hineingetan. Winzig waren sie noch, und die kleinen Köpfe zitterten auf den dünnen Hälsen. Das Fell war noch schütter, und die Augen hatten sie alle drei noch zu. Und die Murli saß daneben, war ganz schmal geworden und schaute Anna forschend an. Drunten in der Stube hatte man sich schon gefragt, wo  Anna denn bleiben würde. "  laß sie halt, " sagte  Anna´s Mama, " weiß doch eh - Weihnachten haben halt auch die Kinder ihre kleinen Geheimnisse. "
Das riß den Tata ( Vater ) aus dem Hocker. " Uijegerle Maria und Josef ! 
Daß mir die Kleine nicht an die Geschenke kommt. Die hab“ ich allesamt auf dem Heuboden versteckt !"
Als er schon zur Tür hinauswollte, faßte die Mama ihn am Ärmel: " Wenn du schon raufgehst, schau gleich, ob du das Nest mit der Murli ihren Jungen findest. Ich weiß, die Jungen wegräumen ist eine leidige G´schicht´, aber was sollen wir denn sonst machen?"
Dem Tata war das wirklich eine " leidige G´schicht ".
" Bist überhaupt sicher, daß sie schon g´worfen hat ?"
" Freilich. Sie war heut schon kurz da um Futter, ist aber gleich wieder weg.
Ich bild´ mir ein, in Richtung Heuboden."           
Der Tata nickte und ging über den Hof. Das Tor zum Stadel war nur angelehnt.
Langsam stieg er die steile Leiter hinauf. Zu seinem Erstaunen war der Deckel der Heubodenluke offen.
Vorsichtig steckte er den Kopf durch.
Da saß in der Dämmerung die Anna auf dem Boden, streichelte selbstvergessen und ganz vorsichtig mit der Spitze des Zeigefingers die drei Kleinen, und mit der anderen Hand kraulte sieden Kopf des schnurrenden Katzenmutter.
" Genaugenommen, " hört der Tata das Kind sagen, " ist es für dich ja gar kein Verlust, Murli.
Du bleibst da, und die Jungen bleiben auch da. Für dich ändert sich ja nichts es ist halt grad, weil ich für meine Mama und Tata nicht´s kaufen kann.     
Die paar Schillinge in meiner Sparbüchse reichen einfach nicht. Und dann, Murli, was soll ich ihnen denn kaufen? Die Mutter sagt immer: 
" Schenken muß man mit dem Herzen. " Nicht irgendetwas, grad, daß halt etwa daliegt, sondern etwas, das einem auch selbst Freude macht, dem anderen zu geben.
Und deine drei Jungen, Murli, die täten halt vom Herzen kommen.
Das graue Tigerle tät“ ich der Mama schenken. Die hat als Kind einmal eine Lieblingskatze gehabt, von der sie mir oft erzählt.
Das war auch so ein Tigerle, weißt ?
Und dem Tata tät´ ich die kleine Schwarze da schenken. Schwarze Katzen bringen Glück, und der Tata tät´ eine Menge Glück brauchen, wo er doch soviel hart  arbeitet für uns. Daß ihm nichts passiert und daß er uns gesund bleibt, verstehst, Murli ? "
Katzen haben feine Ohren. Vielleicht hatte Murli gemerkt, daß jemand in der Nähe war. Jedenfalls hob sie das Köpfchen aus Annas warmer Hand und leckte eilig das dritte ihrer Kinder. Anna legte das auf ihre Weise aus.
" Nein, nein, reg dich nicht auf, Murli, das dritte Junge, das herzige dreifarbige, das schenk´ich der Nala und der Urnala zusammen. Die sagen immer, dreifarbige Katzen bringen Gesundheit ins Haus und treiben Krankeiten aus.
Das wär'gut, denn alle zwei haben ganz fürchterlich das Reißen in den Knien.   
Na, Murli, bist einverstanden mit dem Vorschlag? 
Du schenkst mir deine Jungen, damit ich sie zu Weihnachten der Mama und am Tata schenken kann, weil ich doch sonst keine anderes Geschenk wüßt,`das mehr vom Herzen kommt, und ich kauf´ dir von meinem wenigen Spargeld soviel Leber, wie ich halt darum bekomm`." 
Die Murli legte gottergeben das Köpfchen wieder in die Hand des Mädchens zurück, schnaufte und ruckelte sich genüßlich zurecht.
" Ja hast genickt, Murli, allerliebste, ich hab´dich schon verstanden. Du, ich dank`dir so sehr. Jetzt hab`ich auch was für die Eltern und noch dazu so etwas Schönes. Das werden Weihnachten, ach Murli, so schön war das Fest noch nie für mich." Und ganz leise und wunderschön, wie es eben nur von einer unschuldigen Kinderstimme klingen kann, tönte das schönste aller Lieder durch den staubigen Heuboden: " Stille Nacht, heilige Nacht....."
Hastig, aber doch vorsichtig und leise trat der Vater den Weg nach unten an, rannte aus der Scheune, hinüber zum Haus und mit schneeigen Stiefeln in die Küche hinein.
" Hast die Jungen Kätzchen gefunden? " fragte die Mutter.
Einen Augenblick stutzte der Vater. Er sah mit geneigtem Kopf vor sich hin, und ganz tief drinnen in seinem Herzen hörte er die Stimme seines längst dahin gegangenen Vaters: " Wenn einer das Weihnachtsgeschenk eines anderen verrät, Bub, dann ist er ein Schuft, denn so etwas tut man nicht. "
Und er sah das faltige Gesicht mit den sanften Augen vor sich, das grau-weiße Haar und die abgearbeiteten Hände, aus deren Geborgenheit ihm vor vielen Jahren ein kleines Kätzchen entgegenschnurrte.
Er schüttelte den Schnee ab und warf den Hut über den Wandhacken. 
" Alles erledigt, mußt dir keine Gedanken mehr machen. Es ist alles erledigt...."
Warm war es in der Stube, eine Knödelsuppe duftete, und eine geheimnisvoll strahlende Anna kam zur Tür herein. Die Mutter war erleichtert.
" Ja, Anna ! Wo warst denn so lang ?"
" Beim Christkindl halt !"
Und wie schön es dort gewesen sein mußte, konnte man unschwer an ihren über und über glücklichen glänzenden Augen erkennen.

Mit geschlossenen Augen träumen, mit offenen Augen staunen über die vielen großen und kleinen Weihnachtswunder...

Die Zeit ist da,

der Stille zu lauschen,
Gedanken zu tauschen,

die Sinne zu wecken,
Genuss zu entdecken,
              
das Leben zu führen,
Gefühle zu spüren,

die Freude zu erleben - mehr Liebe zu  geben.

 

Ein neues Jahr steht unmittelbar vor uns - wieder beginnt ein neuer Abschnitt.
Hinter uns schließt sich eine Tür, vor uns öffnet sich eine andere.
Was erwartet uns? Was wünschen wir uns? Was soll anders werden?

Wir wünschen allen unseren Gäste und Freunden, dass sie immer wohlbehalten
Ihre erträumten Ziele erreichen, dass Sie über alles neue immer wieder staunen können uns sich über viele Begegnungen und Entdeckungen mit uns freuen.


Wir wünschen Ihnen ruhige Adventszeit
besinnliche Weihnachtszeit
verbunden mit einem herzlichen Dankeschön für Ihre Treue,
sowie Glück, Gesundheit.

Ihre Gastgeber
Familie Sombach
mit Nala Emma Kneringer
aus dem Kneringerhof